Besondere Augenblicke, mystische Orte und phantastische Farben
 Faszinierend und ansehenswert

Ahornpark Ilfeld, Faszination und Inspiration

An dieser Stelle können Sie einige Geschichten von mir über den Ahornpark Ilfeld und den Ahornparkverein Ilfeld lesen, die ich Stück für Stück einstellen werde. 

Das Geschriebene und die Bilder sind Ausdruck meiner ganz persönlichen Meinung, so habe ich das Geschehene erlebt und gesehen und verstanden. Ich habe den Verein mitbegründet und bin natürlich Vereinsmitglied. 

Die Homepage "farbklekse" ist nicht die Vereinshomepage.

Viel Spaß beim Schmökern und Bildergucken. 


Der Anfang

Die Ilfelder nannten uns die Zugezogenen aus der Stadt. Wir wohnten seit kurzem ganz in der Nähe des Parks, den ich Ihnen ans Herz legen möchte und wir alle hatten zu dieser Zeit Hunde, mit denen wir mehrmals wöchentlich unsere neue Heimat erkundeten,  so auch den Dendrologischen Park in Ilfeld, den die Ilfelder Curie-Park nannten. Manche nennen ihn noch heute so. Im Sommer 2014 war von früherer Pracht nichts mehr zu sehen, stattdessen hohes Unkraut und Gestrüpp, rutschende Hänge, jede Menge kaputte Bänke, herumliegendes Material und Besucher, die über diesen Zustand schimpften und von früherem Glanz berichteten. 

Ein wirklich trauriger Anblick...

An einem heißen Tag im August 2014 sprach einer von uns Sechsen zu den anderen Fünf bei einem zufälligen Zusammentreffen vor Ort:“ Wir gründen eine Interessengemeinschaft und machen den Park wieder schön!“ 

Das war der Anfang.

Am 26.09.2014 gründeten 10 Unverdrossene den Ahornparkverein Ilfeld e.V., zwei von Ihnen Gärtnermeister, die mit ihrem Sachverstand und botanischem Wissen unseren Enthusiasmus der ersten Tage im Park zu lenken vermochten und die anderen mehr oder weniger erfahren in Dingen wie Paragrafen und Zahlen und Marketing. 

Wir sammelten Spenden und schüttelten viele Hände, füllten jede Menge Formulare aus, akquirierten Fördermittel und begannen, die  Chronik des Vereins auf unserer Vereinshomepage zu schreiben. Schnell fanden wir Gleichgesinnte, die sich, obwohl der heimische Garten wegen Zeitmangel vor sich hin dümpelte, in den ersten Jahren in vielen Arbeitseinsätzen mit Muskelkraft und Herzblut für den Ahornpark Ilfeld stark machten.  

Wir haben geschachtet, geschleppt, gezogen und geschoben, wir haben gesägt, entästet, gegraben, gebohrt, gebunden und repariert, wir sind geklettert, gekrochen und gekraxelt, wir haben gemäht, gejätet, gepflanzt, gegossen und gelacht, wir haben gebaut, gestrichen, gefegt und gesungen, nur gebohnert haben wir nicht! 


Heute zählt unser Verein mehr als 100 Mitglieder, die sich manchmal selbst „Ahörner“ nennen, und wird von unserer Landgemeinde Harztor und einigen privaten Sponsoren unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar und werden nicht müde, weitere Mitstreiter zu gewinnen. Der Ahornpark Ilfeld ist aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, vielleicht haben wir ihn wachgeküsst?  


Ich möchte Sie einladen und entführen an diesen ganz besonderen Ort, fast mystisch, auf jeden Fall einzigartig und faszinierend. Kommen Sie in den Ahornpark Ilfeld. Hier ist ein Kleinod entstanden, das seines Gleichen sucht.

Und bis Sie es schaffen, unser Schmuckkästchen persönlich in Augenschein zu nehmen, schauen Sie sich meine Bilder  aus Frühling, Sommer, Herbst und Winter an, sie machen Lust auf mehr ...

Januar 2021  

 

All´ das, was seit 2014 im Park neu entstanden ist, und das ist wirklich eine Menge, verdanken wir gleichermaßen dem immer wiederkehrenden Engagement vieler Vereinsmitglieder, privater Sponsoren und Fördermittelgebern. 

Dafür ein aufrichtiges DANKE gleich zu Beginn.

 Ich freue mich sehr, Teil dieser Gemeinschaft zu sein. 


Der Ahornpark Ilfeld- ein wunderschöner Treffpunkt der Generationen

Er lockt Jahr für Jahr viele Besucher und zieht sie in seinen Bann. Gabionen, Parkbänke aller Couleur, die Rundbank um den alten Bergahorn und die Sitzgelegenheiten im Grünen Klassenzimmer bieten den Alten und Älteren genügend Möglichkeiten zum Beieinandersitzen und Miteinanderplaudern. Die Kleinen können im Spielebereich mit Eltern und Großeltern toben. Wir haben diesen bewusst ein wenig ab vom Hauptweg und von einem alten Baum beschattet eingerichtet, so dass  „Alt und Jung“ und „Laut und Leise“ genügend Freiraum für sich beanspruchen können und sich nicht allzu sehr in die Quere kommen. Wanderer finden Rastplätze mit und ohne Dach, Radfahrer stellen die Räder ab und Pausieren im Grünen, Neugierige studieren die bordeauxroten Schilder, Omas und Opas und Mamas und Papas suchen zu Ostern gemeinsam mit den Kleinsten bunte Ostereier und  Spaziergänger spazieren die Spazierwege entlang. 


Es kommen Ahornliebhaber, Baumpaten und solche, die es werden wollen, Gießkannenschlepper und Wasserträger, Kindergarten- und Schulkinder und sogar einige Teenies. Neugierige aus der Stadt und noch ferneren Regionen bestaunen die Vielfalt der Ahorne. Fotografen mit und ohne Spezialobjektiv und „Selfieverrückte“ pürschen durch das „Unterholz“ auf der Suche nach dem besten Motiv und Stempelsammler finden den grünen Stempelkasten der „Harzer Wandernadel“ und Musikanten musizieren. Frisch Verliebte und Familien, Picknickfreunde, Blättersammler und Herbariumbestücker, Naturliebhaber, Ruhe Suchende, Ruheständler, Bücherwürmer und Zeitungsleser kommen und bleiben manchmal bis in die frühen Abendstunden. Sogar Reiter, die ihr Ross am Zügel durch den Park führen, wurden bereits gesehen, nur Angler haben wir noch  nicht entdeckt… 

Januar 2021


Ahorn ist ein ganz besonderer Leckerbissen für Hirsch Heinrich & Co. 

und die Wildschweinfamilie liebt lecker Eicheln

Endlich schneite es mal wieder richtig. Hier in Ilfeld hatten wir im Februar 2021 an die 20 Zentimeter Neuschnee, überall war die Welt mit einem dicken flauschigen weißen Tuch bedeckt. Es sah nicht nur friedlich aus, es war auch stiller als sonst, die Alltäglichkeit schien langsamer geworden zu sein, alles lief ein wenig geruhsamer. 

Doch nicht alle freuen sich so wie die Kinder, die Schlitten und Skier mobilisieren und Schneemänner und Schneefrauen bauen. Wir alle, die wir Schnee schieben oder Autos freikratzen müssen, sehen im Schnee auch eine weitere Last. 

Auch Hirsch Heinrich & Co. hat mit dem Schnee seine zusätzliche Sorgen genauso wie die Wildschweinfamilie. Der Schnee erschwert ihnen die Suche nach Nahrung. Hirsche lieben Ahorn. Sie knabbern gern an der Rinde von jungen Ahornstämmen und fegen an ihnen. So nennt der Förster das Reiben des Geweihs an Bäumen. 

Gefegter Ahorn 2014


Wildschweine hingegen interessieren sich nicht für Ahorn, dafür aber für lecker Eicheln. Diese finden sie mitten im Ahornpark bei den drei prächtigen Eichen, deren Früchte dem Borstenvieh besonders gut schmecken. Wie gut, dass seit Beginn 2015 ein Wildzaun den Ahornpark umfriedet und den Huftieren den Zutritt verwehrt. Nur wir Zweifüßer haben ganzjährig über die drei Zugänge Zutritt zum Park, Hirsch Heinrich und das Borstenvieh müssen draußen bleiben.

Der Wildzaunbau war unser erstes Projekt. 

Im Herbst 2014 ging es richtig los mit dem Verein und dem Park, unsere erste Bestandsaufnahme der dringend notwendigen Arbeiten jedoch war ernüchternd. Hier war es nicht mit Müllbeseitigen, Unkrautjäten, Laubfegen und Mähen getan. Außerdem würde die eigentliche Kunst beim Mähen sein, die kleinen Ahorngewächse nicht zusammen mit dem hohen Unkraut einfach niederzumachen. Der Wald musste auf sein Territorium zurückgedrängt werden, das hieß kleinere Bäume und das Gestrüpp beseitigen und überhängendes Geäst kürzen. Die kleinen Hänge drohten zu rutschen, sie mussten befestigt werden, ehemalige Wege waren einfach verschwunden, weil keiner mehr auf ihnen ging und Teile des Bodens waren durch die Hufe der Wildtiere zerwühlt. Fast alle Bänke waren kaputt, einige bewusst zerstört, andere einfach über die vielen Jahre vermodert und zerfallen. Altes morsches Holz, meist Reste von Baumstützen und Umhausungen, war überall im Park verstreut und musste aufgesammelt werden, um Unfälle zu vermeiden, Gemauertes war an einigen Stellen schadhaft und musste repariert werden. Das Alles und noch einiges mehr stand nun auf unserer „To-do-Liste“. Welcher Aufgabenberg!

Doch wenn wir wirklich vorhatten, diesen Park nachhaltig zu retten, mussten wir ihn vom Wald trennen, wieder eine klare Linie zwischen der bewusst menschgemachten und der sich zumindest ein wenig sich selbst überlassenden Natur ziehen. 


Wir mussten den Park umzäunen, einen Zaun bauen! Als wir das erste Mal als nun frischgebackene Vereinsmitglieder laut „Wir bauen einen Zaun um den Ahornpark!“ aussprachen, hatten wir die Lacher auf allen Seiten, auf unserer Seite standen wir allein.

“Wer eine neue Idee hat ist ein  Spinner, bis diese Idee eingeschlagen hat.“ 

Dieses Zitat von Marc Twain passt genau. Mit unserem Vorhaben, einen Zaun um den Ahornpark zu bauen, hatten wir uns rasend schnell den Ruf erworben, Spinner und ein wenig Verrückte zu sein. Und genau das nutzten wir aus. Nun war es eh total egal, was wir taten und was wir vorhatten, in den Augen der meisten würde das nicht klappen. Bisher hatten sich doch alle in all den Jahren vorher am Park die Finger verbrannt. Warum sollte es jetzt anders kommen? 

Eine bessere Motivation kann man sich nicht denken, die Wette galt. Vielleicht gerade weil es so skurril klang, fanden sich erstaunlich schnell einige Mitstreiter und Helfer. Nicht alle traten gleich als Mitglieder in den Verein ein und keiner hätte das besser verstanden als wir zehn Gründungsmitglieder, aber wir waren nicht mehr allein. Wir starteten einen Hilferuf. Ein netter Karikaturist, der durch Zufall von unseren Nöten erfuhr, zeichnete mit flotten Stift für uns ein ansprechendes Bild von einer fröhlichen Wildschweinfamilie mit Keiler, Sau und  niedlichem Läufer, alle plötzlich in ihrem Lauf gestoppt durch einen Wildzaun. Diese Wildschweinfamilie wurde Symbol unseres Vorhabens. 


Überall schauten Keiler, Sau und Läufer, vor dem neuen Zaun stehend, von Bildern und Plakaten in die Gegend, im Blumenpavillon, der Bäckerei, beim Frisör, in der Arztpraxis und an anderen vielen Orten, die Zeitung druckte sie, online fand man sie auf unserer Homepage und verbreitet in den sozialen Medien. Wir organisierten ein Adventskonzert mit einem bekannten Nordhäuser Musiker, dessen Ruf so viele Besucher in die Ilfelder Kirche lockte, dass fast alle Plätze besetzt waren. Und für den Zaun sammelten wir stets und ständig Geld, in der Kirche zum Konzert und außerhalb. Ein Sponsor spendete dem Verein sogar das gesamte Metallgitter für den Zaun. 

Als Vereinsmitglied unterwegs für eine gute Sache traute ich mich, wildfremde Menschen anzusprechen und um Geld zu bitten. Das war eine total neue Lebenserfahrung für mich und auch die anderen. Und meist mit positiven Ausgang. Mit unserem Werben und Tun taten sich völlig neue Möglichkeiten auf. Der zuständige Mitarbeiter vom Forst, von uns darüber informiert, dass wir den Ahornpark mit einem Wildzaun umfrieden möchten, gehörte zu denen, die nicht die Spinner, sondern die Macher in uns erkannten und bot Hilfe an. Und was für Hilfe. Seine Lehrlinge, fünf starke junge Männer, die lernen mussten, wir ein Forstarbeiter einen Wildzaun errichtet, lernten genau das bei uns im Ahornpark. Noch heute sind wir dankbar für die Hilfe durch die jungen Männer, die fachkundige Anleitung durch den Lehrmeister und die Bereitstellung der Technik für den Zaunbau.  

Zuvor jedoch, von September an malochten wir im Park. All die Arbeiten, um ein wenig Grund in den Park zu bringen, gingen wir an. Ende des Jahres waren wir über 30 Mitglieder und alle brannten wir für das quasi fast Unmögliche. 28 Männer und Frauen, 7 Kettensägen, eine Motorsense, unzähliger Schubkarren, 7 Hunde und unendlich viel Elan, das waren die Zutaten an dem Tag, als wir die letzten Vorkehrungen zum Zaunbau trafen und Ende Januar, richtig viel Schnee war glücklicher Weise in diesem Winter noch nicht gefallen, war es soweit, der Zaun stand!

Wenige Tage später schneite es. Das machte es für uns leicht, die Hufabdrücke der Wildschweinfamilie und ihrer Freunde außen am Zaun entlang zu verfolgen. Es führte für sie kein Weg hinein zu der Leckerbissen. Sie mussten sich andere Orte mit Leckerbissen und Wege dorthin suchen, unsere Ahorne hatten eine reale Chance, zu überleben. Und wir "Ahörner", wie wir uns inzwischen nannten, waren nicht mehr nur Spinner!

Und so wird seither jedes Jahr im Spätherbst die Wintertür am Haupteingang ein- und im beginnenden Frühjahr wieder ausgebaut. Die Tür ist nicht verschlossen, sondern einfach auf- und wieder zuzuklappen, so dass der Zutritt ganzjährig gesichert ist. Wir Zweifüßler verstehen sie zu öffnen und zu schließen, die Vierbeiner nicht. Viel Spaß im verschneiten Ahornpark.

Ilfeld, im Januar 2021

   

Lesen bildet, auch im Ahornpark

Gelesen wird viel, im Alltag gewissermaßen automatisch, auch wenn es nur Schlagzeilen oder Kurzbotschaften auf dem IPhone sind oder der Fahrplan für den ÖPNV oder der Wetterbericht. Mancher liest noch die Zeitung aus Papier und gebundene Bücher, andere informieren sich so, wie es im 3. Jahrtausend üblich wird und mancher findet für sich einen Mix aus allem, aber alle lesen.

Eine ganz besondere Art des Lesens  können Sie im Ahornpark Ilfeld entdecken.

Der etwas andere Reiz liegt darin, dass jedes der Gewächse bei Widmung mit einem bordeauxroten Schild versehen wurde und wird. Weiße guterkennbare Schrift auf dem Bordeauxrot macht neugierig und lockt den Betrachter zum Lesen. 


Wenn Feuchtigkeit in der Luft liegt, die Feuchtigkeit eines frühen Morgens reicht schon aus, dann glänzt das Schild im Licht ganz besonders und bildet einen angenehmen Kontrast zum vorherrschenden Grün im Park. Geschrieben stehen neben dem Aceretum-Logo die Nummer der Pflanzung, die Jahreszahl, die genaue Bezeichnung des Ahorns und eine Widmung des Baumpaten. Beim Spazierengehen im Ahornpark kann der Besucher die verschiedensten Bäume und Sträucher, allesamt Ahorngewächse, bestaunen und die dazugehörigen Schilder lesen, eine wahrlich informative Lektüre.

Beim Unkrautjäten im direkten Umfeld der Bäumchen und Sträucher kam ich den bordeauxroten Schildchen sehr oft sehr nahe und konnte jedes Einzelne lesen. Ich erfuhr von noch nie gehörten Namen und kam mir zeitweilig wie eine „junge“ Naturforscherin vor.

Natürlich reichte mein Wissen aus, um einen Berg-Ahorn zu erkennen, glaubte ich, und vom Esche-Ahorn und Feld-Ahorn hatte ich natürlich gehört, von Hainbuchen-Ahorn bis dato noch nicht. Beim Kugel-Ahorn ist der Name Programm genauso wie beim Schlangenhaut- und beim Papierrinden-Ahorn. Mir war bekannt, dass der japanische Fächer-Ahorn vielfältig ist, dass es so viele Unterarten gibt, erahnte ich nicht. Mit krummen Rücken und zerkratzten Händen vom Unkrautjäten und Laubfegen entdeckte ich den Blut-, den Feuer- und den Schneeball-Ahorn, den Streifen- und den Spitz-Ahorn und musste öfters Lachen ob der tollen Namen. Der Samt-Ahorn ist was für Frauenhände und der Silber-Ahorn weckt Assoziationen, genau wie der Zucker-Ahorn. Tolle Namen! Ich machte Bekanntschaft mit Ahornen aus Griechenland, Frankreich, Norwegen und der Mandschurei, vom Kaukasus und vom Balkan und dann entdeckte ich den Kolchistischen Ahorn, was immer das auch zu bedeuten hat. Und ich las die Namen vom Rotnervigen, Weißdornblättrigen und vom Gelben Mondahorn. Es gibt Dreispitz-, Dreizahn- und Dreiblütrige Ahorne und nur beim letztgenannten wusste ich, was ich  im Frühjahr würde zählen können.

Ein Ahorn schmückt sich mit dem Namen „Malerischer Ahorn“, aber das sind sie eigentlich alle!  Den Namen aller Namen für mich trägt der „Kuwagata Hautiwa Ahorn“, wenn das mal nicht etwas Besonderes ist! Und es zeigt sich mal wieder: „Man wird nicht dümmer“, selbst beim Unkrautjäten, Lesen bildet!

Weil die Arbeit in einem Park der im heimischen Garten insoweit ähnelt, als dass das Unkraut als erstes Grün und immer wiederkehrend besonders schnell wächst, hatten wir mehrmals im Jahr das Vergnügen, unser Wissen über die Vielfalt der Ahorne zu erweitern.

Alle Schilder sind längst den Ahorngewächsen zugeordnet und es kommen noch immer neue Pflanzungen und mit ihnen die Schilder hinzu. Der Ahornpark Ilfeld ist rekultiviert und zählt zu den größten Ahornsammlungen in Mitteleuropa. Kommen Sie doch in den Ahornpark zum Bummeln und Staunen und zum Lesen! Vielleicht entdecken Sie noch weitere irre Namen und die so benannten Ahorngewächse selbst einmal.   

Januar 2021


Bob der Baumeister und sein Trupp

Hunderte von Grüntönen finden sich im Park zur Genüge. Doch nur im „Grünen“ unter „blauem“ Himmel reichte uns nicht, ein wenig mehr Farbe und  Struktur und ein Plätzchen für Kultur müssen sein. 

Wir mussten bauen! Und natürlich kam auch die Farbe „Rot“ in den Ahornpark, nicht nur im Herbst! Auch wenn ich jetzt typische Klischees bediene, denke ich doch, dass viele Männer sehr gern „basteln“, etwas aufzubauen und zu verbessern ist ihnen vielleicht doch  in die Wiege gelegt. Bei uns im Osten haben sie eben genau das von der Pieke auf gelernt, weil es so manches nicht zu kaufen gab. „Selbst war der Mann“. Da verwundert es auch nicht, dass „Bob, der Baumeister und sein Trupp“ schnell und umfassend aktiv wurden und den Park in Form brachten. Wer genau immer Bob und wer die Truppe war, ließ sich nie ganz konkret definieren, bei vielen „Alphamännchen“ vor Ort ist das ein schier unlösbares Unterfangen, es klappte aber dennoch.

Egal, ob wirklich vom Bau und mit oder ohne Baggerführerschein, ob Arzt, Gärtner, Ingenieur, Kraftfahrer oder Lehrer, egal ob Rentner oder Schreibtischtäter, es packten alle an und alle hatten ihre Freude. Sie konnten ihre Muskeln spielen lassen und große schwere Technik bedienen. Welcher Mann sitzt nicht schon mal gern auf einen Schaufelbagger und summt: „Das ist Bodo mit dem Bagger und der baggert noch.“. Auf die Größe des Baggers und der Menge des bewegten Erdreiches kommt es trotz anderer immer wieder zu hörender Behauptungen nicht wirklich an. Schon aber auf die lobenden Worte der besseren Hälfte bei Besichtigung des Geschaffenen und noch mehr, wirklich etwas Brauchbares gebaut zu haben.

Also wurde gebaggert und geschaufelt, gesägt und geschraubt, gebohrt und gebogen, was das Zeug hält. Die Treppe am Eingang bekam ein Geländer für die etwas Älteren und wir Ahörner dafür manches Dankeschön von den Älteren. Einige der vorhandenen Bänke wurden repariert und die ersten neuen von Ahornfreunden gesponserten Bänke fanden schnell ein schönes Plätzchen.  Den Hang am Eingangsbereich hatten unsere Männer mit Gabionen gesichert und so gab es schon einige Sitzgelegenheiten für Besucher. 

Der „Ahörnchen-Spielebereich“ am alten Eschen-Ahorn wurde gebaut und wird seither oft von Kindern und deren Familien und Schulklassen erobert. Hier steht auch unser „Knirpsen-Quirl“, der kleine hölzerne Bruder unseres Dampfzuges von der Harzer Schmalspurbahn und startet mit seinen kleinen begeisterten Gästen seine Fahrt auf den Brocken. Wir zimmerten eine Bühne genau in der Mitte des Parks, so dass sie von allen Seiten gesehen werden kann. Unsere „Waldbühne“, beschattet von einem Sonnensegel und drei großen Eichen lädt ein zu Musik aller Art. Balladen, zur Gitarre gesungen, erklingen alljährlich im Frühsommer, die Kinder vom Schulchor singen und tanzen, eine Mädchenband genoss ihren Auftritt, es schallten schon Bläser im Park und Trommler trommelten wie wild und gejodelt wurde auch. Drei Tenöre vom Nordhäuser Theater waren von der besonderen Stimmung im Park begeistert und begeisterten ihr Publikum und auch Klavierklänge faszinierten die Zuhörer.

Am Eingang des Ahornparks schließlich wurde für alle weithin sichtbar ein großes rotes Torii errichtet, das ins Land hinein leuchtet und einlädt, näher zu kommen. Ein solches rotes Torii gilt in Asien  als symbolischer Eingang zu einem besonderen Ort. Der Ahornpark in Ilfeld ist ein besonderer Ort und die vielen Fächerahorne aus Japan  fühlen sich nun sicher fast wie zu Hause. Ein Jahr später kam ein etwas kleineres, aber genauso prachtvolles und knallrotes Torii am hinteren Eingang hinzu. Unsere Männer schufteten weiter und bauten weitere Gabionen als Hangschutz und Sitzbänke.

De facto unsichtbar legten sie Strom zum und im Park, um die Versorgung mit dem zivilisatorisch so wichtigem Grundstoff zum alljährlichen Ahornparkfest zu gewährleisten und Licht ins Dunkel zu bringen. Wir ließen eine Rundbank um unseren großen Bergahorn errichten und einen Achteck- Pavillon. Er ist unser „Grünes Klassenzimmer“, in dem wir Lehrern und Förstern die Möglichkeit geben, Schulklassen in freier Natur aber nicht ohne ein Dach überm Kopf eben diese Natur erklären zu können. Beim Anstreichen des Holzes mit grüner Farbe hantierten nicht nur wir Ahörner mit den Farbeimern sondern auch unsere Hunde machten voll Begeisterung mit. Das Ergebnis waren zwei grün gesprenkelte Vierbeiner, der Braune dezent mit grünen Pünktchen, der Weiße an Nase und Schwanz unübersehbar herrlich grün.

Stolz auf das Erbaute glaubten wir fast schon, fertig zu sein, und dann kam er, der nicht enden wollende heiße Sommer 2018. 

Tausende Liter Wasser haben wir und mit uns sehr viele und unermüdliche  Wasserträger und Gießkannenschlepper vergossen, um wenigsten den kleinen und frisch gesetzten Sträuchern und Bäumchen das Überleben zu sichern. Der Ahornpark ist an die 400 Meter lang. Das Regenwasserfass steht am Anfang des Parks und wurde dankbarer Weise immer und immer wieder von der Gemeinde gefüllt. Das so dringend benötigte Wasser jedoch die vielen Meter zu den Ahornen zu schleppen, war mühsam und glich der Arbeit des Sisyphos. 

Für uns stand fest, dass wir doch noch etwas bauen müssen, eine Wasserleitung, denn der Klimawandel ist real. Geübt im Briefeschreiben und Telefonieren, Fördermittel beantragen und Bürgermeister überzeugen und ungeachtet einiger Skeptiker, legten wir noch einmal los und bekamen Hilfe, für die wir sehr dankbar sind. 

Natürlich war uns klar, dass man einen Wald nicht gießt, genauso wie man den Wald nicht fegt, es sei denn, die Affen müssen unbedingt auf die Bäume. 

Dennoch, die Nachhaltigkeit des Vorhabens Wasserversorgung in Zeiten sich ändernder Witterungsbedingen war für uns und auch für unsere Partner Grund zum Handeln. 

Es wurde noch einmal nach Kräften gebaggert und gebuddelt. Vorher mussten wir wieder einmal Klappern, denn Klappern gehört zum Geschäft. Wir mussten Spenden sammeln, „Türklinken polieren“, Anträge stellen und Formulare ausfüllen. Es waren sogar ganz neue bisher nicht gekannte Antragsformulare dabei und viele der notwendigen Genehmigungen hätten wir ohne Hilfe von Gemeinde und Verwaltung nicht erhalten, geschweige denn so schnell und so unkompliziert. Vielleicht hat es geholfen, dass wir jetzt nicht mehr die „Spinner“ waren, sondern die „Verrückten“, aber die, die schon einiges Gescheites  zustande gebracht hatten, denen man glauben konnte.

Wir schleppten Wassertanks, zogen Leitungen, bauten Wasserhähne an und konnten nach kurzer Zeit glückselig sagen: „Wasser marsch!“. Die Wasserversorgung ist gesichert, auch wenn es einmal nicht genügend regnen wird. Die Wege vom Wassertank zu den Ahornen sind erheblich verkürzt, die vielen Wasserträger und Gießkannenschlepper werden immer genügend Gießwasser vorfinden und nicht mehr so lange Laufwege zu bewältigen haben. Und es hat in den beiden seit dem Leitungsbau vergangenen Sommern bereits funktioniert.

Im Herbst 2020 nun entstand das „Hexenhaus“ im Ahornpark, erbaut von den Frauen und Männern des VHS-Bildungswerk in Nordhausen. Es steht nicht wie vielleicht von einem Hexenhäuschen zu erwarten ein wenig geduckt und etwas abseits versteckt, sondern es ist weithin sichtbar, genügend groß, um eine ganze Hexentruppe zu beherbergen und lädt Groß und Klein zum Besuch ein. Vielleicht traut sich auch einmal ein neugieriges Hexlein die breite scheinbar geschwungene Treppe hinauf in das  Hexenhaus und ein schwarzes Kätzchen auf das Dach, wir werden sehen. 

Januar 2021